Schuhe und Lymphödem

Mein sekundäres Lymphödem in einem Bein machte Schuhe kaufen jahrelang zu einem echten Schuhdrama. Ich fühlte mich wie Mrs Bigfoot persönlich, die von allen beim Anprobieren der Schuhe angestarrt wird und nie passende Schuhe findet. Meistens schlenderte ich nur durch Schuhläden, um mir die vielen tollen Schuhe anzusehen, die ich ganz bestimmt nie wieder tragen würde, und verließ frustriert und mit hängendem Kopf die Orte der Selbstentwürdigung.

Diese Zeiten sind vorbei!

Vor zwei Jahren lief ich dann an diesem kleinen Laden für Barfußschuhe vorbei, in dem gerade kein Kundenverkehr war. Die Verkäuferin sah sympathisch und fachkompetent aus und ich wagte mich hinein. Ich schilderte ihr mein Problem, zeigte meine ungleichen Füße und ließ mich beraten. Ziemlich schnell verliebte ich mich in einen Schuh, den ich dann auf verschiedenen Untergründen ausprobierte und direkt kaufte. Seitdem trage ich (fast) keine anderen Schuhe mehr.

Trotz Warnungen der Verkäuferin verlief die Umgewöhnung auf das Laufen mit den dünn besohlten Schuhen relativ unkompliziert. Inzwischen ist das Laufen in Barfußschuhen für mich ganz selbstverständlich geworden.  Wenn ich doch mal andere Schuhe trage, fühle ich mich unwohl und eingeengt. Außerdem sind sie wahnsinnig leicht, was das Barfußgefühl erst richtig ausmacht.

Deshalb habe ich mich mit der Zeit von fast allen „normalen“ Schuhen getrennt. Selbst von den roten Holzclogs aus einem der Dänemark-Urlaube habe ich mich schweren Herzens verabschiedet. Die hätten mir ja doch nie wieder gepasst. Aber die Alternative ist so viel besser als Holzschuhe, die zwar schick, aber noch nie wirklich bequem waren, wenn ich ehrlich bin. Weg kamen auch die vielen Schuhe, die ich kaum getragen hatte, weil sie an einem Fuß doch nicht richtig passten und untragbar waren.

Leerer Schuhschrank? Fehlanzeige!

Anfangs habe ich mich richtig darüber gefreut, dass mein Schuhschrank immer leerer wurde. Allerdings währte dieser Zustand nicht lange. Denn wenn man erst mal ein bisschen eintaucht in die Barfußschuh-Welt, dann entdeckt man die tollsten Schuhe. Ich habe das Gefühl, dass es zum einen immer mehr Hersteller von Barfußschuhen gibt. Und zum anderen sehen viele Schuhe immer stylischer und eben nicht mehr nach langweiligen Barfußschuhen aus. Ich selbst trage überwiegend Sneaker und habe da schon so coole Schuhe gesehen, die ich kaum noch als Barfußschuhe erkannt hätte. Das Klischee der rein funktionalen Barfußschuhe hat eindeutig ausgedient. 

Ich habe inzwischen Winterschuhe, leichte Wanderschuhe und verschiedene Sneaker in Barfuß-Qualität. Was ich im Barfußbereich leider noch nicht gefunden habe, sind Sandalen, die gerade meinem linken ödematisierten Fuß Halt geben und dabei auch sommertauglich sind. Im Hochsommer trage ich deshalb meistens Sandalen mit Korkfußbett. 

Schuhproblem – ade!

Seit meiner Entdeckung der Barfußschuhe habe ich kein Schuhproblem mehr. Die Barfußschuhe, die ich kaufe, passen eigentlich immer. Wenn ich sie online bestelle, passt vielleicht nicht immer gleich die Größe und ich muss sie noch mal umtauschen. Oder sie gefallen mir in echt dann doch nicht so gut. Aber grundsätzlich passen meine Füße rein! Und sie sind so bequem, weil nichts die Zehen einengt! Ich will hier nicht pathetisch werden, aber ich muss es doch loswerden: Wenn Glück einen Namen hätte, dann BARFUSSSCHUHE. Ich hätte vor einigen Jahren nicht daran geglaubt, dass Schuhe kaufen mit Lymphödem wieder Spaß machen kann.

Danke!

Die Inspiration zu diesem Beitrag war der Austausch mit Juliska, einer Reha-Freundin mit sekundärem Beinlymphödem aus der Seeklinik Zechlin. Genau wie ich hat Juliska seit dem Lymphödem kaum noch passende und bequeme Schuhe gefunden. Und genau wie ich ist sie irgendwann zu Barfußschuhen gekommen. Wir entdeckten zusammen neue Hersteller und kauften beide nach dem Ende der Reha erst einmal… neue Barfußschuhe.