Reha in der Seeklinik Zechlin 1

Nach fast fünf Jahren Reha-Pause fuhr ich im Januar 2021 zu meiner zweiten lymphologischen Reha. Eigentlich wollte ich mir mal die allseits bekannte Földi-Klinik im Schwarzwald ansehen, entschied mich dann aber doch für die deutlich näher gelegene Seeklinik Zechlin, eine der beiden Asdonk-Kliniken. Diese lymphologische Fachklinik liegt im Norden Brandenburgs (Landkreis Ostprignitz-Ruppin), nahe der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern.

Die Klinik

Das Klinikgelände ist weiträumig und befindet sich in unmittelbarer Seenähe. Was mir als Großstädterin sofort angenehm auffiel, war der Platz, der hier in Hülle und Fülle zur Verfügung stand. Das betraf die Klinik selbst mit einem großen Foyer, einem großen Speisesaal mit vielen Fenstern und relativ großen und hellen Zimmern, aber ganz besonders das Außengelände. Der Blick über den „Haussee“, den Braminsee, war spektakulär. Wer Glück mit der Lage des Zimmers hatte, konnte morgens den Sonnenaufgang über dem See genießen. Mein Zimmer lag Richtung Norden, mit Blick zum Parkplatz, der sich zwischen einem Wäldchen und einer kleinen Parkanlage befand. Durch das große Fenster kam aber selbst im Januar wirklich viel Tageslicht rein. Helle Möbel, ein heller Laminatboden und helle Vorhänge wirkten sich zusätzlich positiv auf die Stimmung aus. 

Innerhalb der ersten 24 Stunden fanden in der Seeklinik Zechlin die medizinischen Eingangsuntersuchungen statt, wie EKG, Blut- und Urinuntersuchungen, Ödemmessung. In einem Arztgespräch wurde der Therapieplan festgelegt. Mir wurden pro Tag zweimal 45  Minuten manuelle Lymphdrainage, inklusive Bandagierung, für ein Bein verordnet. Gleich am zweiten Tag ging es damit auch schon los. 

Neben verschiedenen Vorträgen, z.B. zur Erkrankung, wurden auch vielfältige Sportgruppen angeboten.  Sie begannen morgens um 7 Uhr mit einer Draußensportgruppe („Fit in den Tag“) und enden gegen 15.15 Uhr, wenn die Nordic-Walking-Gruppe wieder zurückkam. Ich zählte im aktuellen Plan 22 Gruppensportangebote, z.B. Arm- und Beingymnastik, Adipositas-Gruppe, Entspannungstraining, Aerobic oder Nordic Walking. Neben diesen Bewegungsangeboten war es von der Klinikseite ausdrücklich erwünscht, dass die Patient*innen sich in der freien Natur bewegen. 

Individuelles Lauftraining

Das war genau mein Ding. Ich habe vorher nicht gewusst, welche großartigen Möglichkeiten zum Spazierengehen oder Nordic Walken es hier gibt. Und ich ahnte nicht, wie leicht es die Seeklinik Zechlin einem machen würde, sich in der Naturlandschaft des Rheinsberger Seengebiets zurechtzufinden. Im Foyer lag ein Ordner, in dem verschiedene Rundwege ausführlich beschrieben und mit einem Kartenausschnitt dargestellt wurden. Ein wichtiges Kriterium war dabei die Entfernung von einer Bank zur nächsten. Die Touren hatten eine Länge von 1,5 bis 12 km. Die ungefähre Laufzeit und die Beschaffenheit des Bodens waren außerdem angegeben. Im Keller vor den Therapieräumen hingen zusätzlich große Kartenausschnitte der einzelnen Wege und Fotos der Landschaften. Wer mit einer GPS App oder GPS-Fitnessuhr unterwegs war, konnte sich natürlich auch mühelos allein orientieren. Aber die Klinik hat an der Stelle wirklich alles richtig gemacht, um Menschen zum Bewegen zu motivieren. 

Trainingsprotokoll

Jede*r Patient*in bekam mit Erhalt des üblichen Reha-Therapiehefts auch ein Extra-Blatt zur Durchführung eines individuellen Lauftrainings. Hier konnten selbstständig Eintragungen über eigene Läufe vorgenommen werden. Nachdem ich pandemiebedingt mit einem leichten Großstadtkoller angereist war, konnte mir in den ersten Reha-Tagen gar nichts Besseres passieren als die Ansage: Geht raus in die Natur und bewegt euch! 

Die letzten Januartage waren kalt und frostig, es fing langsam an zu schneien. Genau das richtige Wetter, um einen nach dem anderen See mit den Nordic-Walking-Stöcken zu  umrunden. Für den Braminsee vor der Haustür lag die Strecke bei 5,5 km. Andere Seen, wie der Große und Kleine Zermittensee oder der Schwarze See sind ein bisschen weiter entfernt und mit Touren von 7 bis 8,5 km zu bewältigen.  Die anspruchsvollste Seerunde war für mich der Große Zechliner See mit 14 km Länge von der Seeklinik aus. Es ging dabei natürlich nicht darum, Streckenrekorde aufzustellen, sondern jede*r konnte sich im eigenen Tempo, abhängig von der jeweiligen körperlichen Konstitution bewegen.

Durch die Natur

Die gewässerreiche Waldlandschaft dieser Region der Mecklenburger Seenplatte ist auch im Winter wahnsinnig schön. An den zugefrorenen Seen lief ich an verlassenen Strandabschnitten und auf Pfählen in den See gebauten, spitzgiebeligen Fischer- bzw. Ferienhäuschen vorbei. An einer Marina standen große Hausboote aufgebockt am Wegesrand. Kanus und Kajaks lagerten auf den Grundstücken von Vereinen und Bootsverleihern. Eine wirklich idyllisches Fleckchen.

Fazit

Um es kurz zu machen: Das Lymphödem muss bewegt werden, um den Lymphabfluss zu fördern, egal ob mit Kompressionsstrümpfen oder Bandagen. In der Seeklinik Zechlin sind die Möglichkeiten dafür herausragend, sowohl was die Klinikangebote als auch was die individuellen Möglichkeiten angeht. Und nein, ein Schwimmbad gibt es hier nicht. Ich bin ehrlich: Ich habe es nicht vermisst. Allerdings soll es unter „normalen“ Bedingungen, also vor der Pandemie, einmal wöchentlich die Möglichkeit gegeben haben, mit Kleinbussen ins nahegelegene Schwimmbad zur Reha-Aquagymnastik zu fahren. Ich denke, dass dieses Gruppenangebot nach den Einschränkungen durch Corona auch wieder aufgenommen wird.

Teil 2: Manuelle Lymphdrainage, Bandagierung und Kompressionsversorgung in der Seeklinik Zechlin