Mein Jobst Relax

Es gibt ja tollerweise immer mehr Hersteller von Kompressionsstrümpfen, die inzwischen auch Versorgungen von Lymphödemen für die Nacht anbieten. Vor einem halben Jahr habe ich mir einen lang gehegten Wunsch erfüllt und mir einen ganz besonderen Nachtstrumpf anfertigen lassen: den Relax vom Hersteller Jobst.

Wie es begann…

Meine Geschichte mit dem Jobst Relax begann auf Instagram. Schon jahrelang folgte ich dort Menschen mit Lymphödemen, die von diesem Nachtstrumpf schwärmten. Ich las, dass er die Nachtbandage ersetzen könne, dass er nachts keine Schmerzen verursache und nicht wie die Binden vom Bein gerissen werden müsse, weil an irgendeiner Stelle am Fuß Druckstellen Schmerzen machten und dass er wunderbar weich sei. Manche meinten sogar, sie würden ihn lieben – bei flachgestrickten Kompressionsstrümpfen schon eine beachtenswerte Behauptung. Kurzum:

…was ich da so las, gefiel mir.

Ich hatte jedoch gehört, dass keine Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) diesen Strumpf bezahlen würde und scheute die Ausgabe von vielen hundert Euro für einen Strumpf, bei dem nicht sicher war, ob ich ihn wirklich brauchte und ob er mir wirklich helfen konnte. Als ich dann auf meiner letzten lymphologischen Reha in Zechlin Juliska kennenlernte, bekam ich Lust, das Thema Jobst Relax jetzt endlich einmal anzugehen. Juliska, die auch ein sekundäres Beinlymphödem hat,  war schon eine erfahrene Jobst Relax-Trägerin. Von ihr erfuhr ich, dass ihre GKV ihr schon zweimal einen nicht unerheblichen Zuschuss zu diesem Nachtstrumpf bewilligt hatte. Sie war großer Relax-Fan und wollte sich gleich nach der Reha, natürlich mit einem schlankeren Bein, einen dritten anfertigen lassen.

Kaum zu Hause angekommen, rief ich in meinem Sanitätshaus an. Die Sanifeen hatten noch keine Erfahrung mit dem Jobst Relax, waren aber neugierig, weil sie auch schon von diesem Strumpf gehört hatten. Sie haben das dann mit mir zusammen zum ersten Mal gemacht. Ich habe ein Rezept vom Arzt vorgelegt und das Sanitätshaus hat die Kostenübernahme bei der Krankenkasse beantragt. Irgendwann bekam ich vom Sanitätshaus die Zusage über die komplette Kostenübernahme. Erst dann wurden die Maße genommen und der Strumpf bestellt. 

Kosten

Die Kostenfrage ist ein Thema für sich. Leider habe ich schon von vielen Menschen gehört, bei denen die Kosten für den Jobst Relax von der GKV gar nicht oder nur zu einem geringeren Teil übernommen wurden. Eine Sanifee erklärte mir, dass dies an der fehlenden Hilfsmittelnummer liege. Grundsätzlich ist die Kostenübernahme für Hilfsmittel durch die GKV nur möglich, wenn die Produkte im Hilfsmittelverzeichnis gelistet sind. Produkte werden auf Antrag der Hersteller in das Hilfsmittelverzeichnis eingetragen und erhalten eine eigene Hilfsmittelnummer.  Der Jobst Relax ist in diesem Hilfsmittelverzeichnis noch nicht gelistet. So einfach ist das. Mir ist nicht bekannt, ob von Jobst schon ein entsprechender Antrag gestellt wurde. So lange jedenfalls der Eintrag in das Hilfsmittelverzeichnis nicht erfolgt ist, werden die GKV weiterhin individuelle Kostenentscheidungen treffen. Leider, leider…

Und jetzt?

Der Rezepttext sollte beim Jobst Relax so ausführlich wie möglich sein. Es sollte unbedingt begründet werden, warum dieser Nachtstrumpf benötigt wird, z. B.

  • zur Vermeidung einer Reödematisierung nachts,
  • zur Vermeidung einer Ödemzunahme nachts,
  • nächtlicher Druckschmerz,
  • Nachtkompression für die Erhaltungsphase.

Diese medizinische Begründung scheint wirklich sehr wichtig zu sein, auch für einen möglichen Widerspruch bei der GKV. 

Tragekomfort

Der Tragekomfort ist ein Traum. Der Jobst Relax umhüllt das Bein wie Watte und ich merke den Kompressionsdruck gar nicht. Diese maßgeschneiderte Kompression lässt sich nicht mit der Kurzzugbinden-Nachtbandage vergleichen, wie ich sie seit Jahren angewandt habe. Zum einen habe ich jetzt keine nächtlichen Druckschmerzen mehr und zum anderen ist der zeitliche Aufwand für das Anziehen des Strumpfes deutlich geringer. Ganz zu schweigen vom endlosen Bindenaufwickeln am nächsten Tag…

Aus alter Gewohnheit wickele ich jedoch meine Zehen weiterhin mit einer elastischen Fixierbinde, um einer Ödemzunahme vorzubeugen. Und wenn ich abends das Gefühl habe, dass mein Bein ein bisschen Extradruck gebrauchen könnte, wickele ich um Fuß und Unterschenkel zusätzlich noch zwei Langzugbinden.  

Warum nachts Kompression tragen?

Wer meine Blogbeiträge gelesen hat, weiß, dass ich eine absolute Befürworterin nächtlicher Kompression bin. Ich habe schon von vielen Menschen mit Lymphödem gehört, dass die betroffenen Körperteile ohne Kompression nachts volllaufen und anschwellen können und das Gewebe fester wird. So geht es mir auch. Seit ich mein Bein nachts wickele, den Mobiderm autofit trage oder eben jetzt vor allem den Jobst Relax nutze, ist mein Lymphödem stabiler geworden. Ich würde sagen, ich habe es „im Griff“ und fühle mich der Erkrankung nicht mehr so hilflos ausgeliefert. Selbstwirksamkeit ist mir grundsätzlich und insbesondere im Umgang mit meinem Lymphödem ein wichtiges Thema. 

Für alle, die noch mehr Infos zum Jobst Relax haben wollen, hier der Link zum Hersteller.

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Ich möchte darauf hinweisen, dass ich kein Geld für die Nennung von Produkt- und Firmennamen erhalte. Ich bin von keinem Hersteller gekauft und berichte unabhängig.