Sommer mit Lymphödem – 10 Survival-Tipps

Die ersten warmen Tage sind da. Juhu??? Lymphödem-Betroffene brechen mit Beginn der warmen Zeit des Jahres nicht unbedingt in Jubelschreie aus. Die Hitze zeigt meist unangenehme Nebenwirkungen an Knöcheln, Füßen und Beinen. Denn im Sommer arbeitet das Lymphsystem schlechter. Natürlich sollte man viel trinken. Das ist kein Geheimnis. Aber wie hält man es auch bei Temperaturen über 25°C in Kompressionsstrümpfen aus? Und wie schafft man es, dass sich das Lymphödem nicht noch mehr verschlechtert?

Tipp 1:

Kompressionsstrümpfe trotzdem tragen. Steigen die Temperaturen über 20°C möchte ich am liebsten alle Strümpfe ausziehen und schnell in Rock und Sandalen schlüpfen. Leider geht das mit Lymphödem nicht mehr so einfach. Gerade bei steigenden Temperaturen ist es total wichtig, Kompressionsstrümpfe zu tragen, denn der Körper bildet vermehrt Lymphe, ähnlich wie bei starker körperlicher Belastung. Der konstante Druck der Kompressionskleidung verhindert dabei, dass die betroffene Körperregion übermäßig anschwillt.

Tipp 2:

Kompressionsstrümpfe immer mal wieder mit Wasser einsprühen. Ich habe mir dafür einfache Pflanzensprühflaschen besorgt. Der beste Ort für die Aufbewahrung ist im Kühlschrank, sowohl zu Hause als auch bei der Arbeit. Bei langen Autofahrten habe ich auch immer eine Sprühflasche dabei. Kalte Sprühstöße ins Gesicht sind bei hohen Temperaturen übrigens bei der ganzen Familie beliebt 🙂

Tipp 3:

Beine hochlegen. Dies ist eine Empfehlung für alle Lymphödem-Beine, unabhängig von der Temperatur.  Ich lege mein Bein an vielen Orten hoch. Unter meinem Küchentisch steht ein kleiner Hocker, unter dem Schreibtisch ein superbequemer Polsterhocker und auf dem Sofa ist eine kleine Kissenburg aufgebaut. Sitzen mit hängenden bzw. aufgestellten Beine finde ich schwer auszuhalten, besonders an heißen Sommertagen. Wo immer es möglich ist, lege ich beim Sitzen die Beine hoch, um ein Absacken der Lymphe und Beinschwellungen zu verhindern. Grundsätzlich gilt: Besser liegen und gehen statt sitzen und stehen.

Tipp 4:

Beine nachts wickeln. Auch wenn es gerade an heißen Sommertagen noch so schrecklich erscheint, ist das Bandagieren der Beine zur Nacht eine wichtige Maßnahme, um die Schwellung zu begrenzen und Fibrosierungen zu lockern. Ich selbst habe nachts jahrelang nicht gewickelt. Durch die Erfahrungen anderer Lymphies bei Instagram habe ich es dann doch mal versucht und war überrascht. Das Gewebe wurde viel lockerer und Verschlechterungen nach starken und ungewohnten Belastungen konnte ich relativ schnell wieder ausgleichen. Da sich im Sommer die lymphpflichtige Last erhöht, ist dies eine gute Möglichkeit, die Schwellung zu mindern. Wichtig ist, nachts nicht so stark zu wickeln wie tagsüber. Es wird weniger Lymphe produziert und der Druck sollte deshalb geringer sein.

Tipp 5:

Bandagematerial/ Kompressionsstrümpfe eine halbe Stunde vor dem Wickeln/ Tragen in den Kühlschrank oder ins Gefrierfach legen. Ausprobieren, welche Temperatur am besten gefällt.

Tipp 6:

Beine in feuchte Tücher einwickeln. So habe ich die heißesten Tage meines letzten Urlaubs im sonnigen Süden überstanden. Ich wickelte nasse Handtücher um mein Bein (mit Kompressionsstrümpfen) und konnte dabei zusehen, wie Tücher und Strümpfe wieder trockneten, weil es so heiß war. Das war wunderbar erfrischend und die Schwellung der Beine hielt sich in Grenzen.

Tipp 7:

Hautcreme in den Kühlschrank stellen. Alle Lymphödem-Betroffenen wissen, dass eine gut gepflegte Haut Krankheitskomplikationen vermeiden kann. Das tägliche Eincremen meines Beines musste ich erst lernen. Im Sommer mag ich es aber immer noch nicht. Wer sich so wie ich bei großer Hitze nicht gern eincremt, wird diesen Tipp lieben. Die Lotion aus dem Kühlschrank verschafft eine wunderbare Kühlung.

Tipp 8:

Ventilator anstellen. Vor dem Lymphödem haben mir Sonne und hohe Temperaturen nichts ausgemacht. Ich konnte es sogar kaum erwarten, bis es endlich wieder richtig warm wurde und wurde nicht satt davon. Um mir den Sommer jetzt ein bisschen erträglicher zu machen, habe ich mir für die Wohnung einen Ventilator gekauft, der besonders leise ist und den ich wirklich liebe. Frischer Wind trotz brütender Hitze – Daumen hoch!

Tipp 9:

Bewegung. Für den Abtransport der Lymphe ist Bewegung auch im Sommer unerlässlich. Bewegung hält das Lymphsystem in Schwung und es gibt ein paar Sportarten, die auch bei hohen Temperaturen noch erträglich sind. Allen voran Schwimmen oder Aqua Jogging. In den Morgenstunden oder abends sind Nordic Walking oder Spaziergänge eine Alternative zu den Wassersportarten. Als tägliche Radfahrerin ist Radfahren ist für mich eigentlich immer geeignet.

Tipp 10:

Direkte Sonneneinstrahlung vermeiden. Mit Kompressionsstrümpfen ist gegen die Bewegung im Freien auch an sonnigen Tagen nichts einzuwenden. Sonnenbrände nach Strand- oder Freibadbesuchen sollten natürlich unbedingt vermieden werden. Hier besser schattige Orte aufsuchen.