Ernährung beim Lymphödem

Gibt es für Lymphödem-Betroffene eigentlich generelle Empfehlungen zur Ernährung? Sollten wir eine kalorienreduzierte Mischkost oder andere Ernährungskonzepte vorziehen? Vielleicht vegan oder mediterran? Low Carb? LOGI? Ketogen? FODMAP? 

Irritiert genug?

Ich finde es gar nicht so leicht, sich in diesem Diäten-Dschungel zurechtzufinden. Persönliche Erfahrungen von mir und anderen helfen auch nicht so richtig weiter. Die eine sagt dies, der andere macht das… Doch worauf können wir Lymphies uns einigen? Gibt es die lymphgerechte Ernährung?

Eine gute Informationsquelle zum Thema Lymphödem ist für mich die Zeitschrift „Lymphe & Gesundheit“. Sie erscheint viermal jährlich und ist das Hausblatt des Vereins zur Förderung der Lymphtherapie e.V. 2016 wurden in zwei Ausgaben Artikel zum Thema Ernährung beim Lymphödem veröffentlicht. Darauf will ich mich im Folgenden beziehen:

In der „Lymphe & Gesundheit“  3/ 2016 lese ich, dass wir uns möglichst fettarm ernähren sollten. Grundsätzlich sollten wenige Kohlenhydrate und wenig Salz aufgenommen werden. Gesund hingegen seien Lebensmittel mit geringer Energiedichte, in Maßen auch gesunde Fette und ausreichend Eiweiß. Was heißt das genau?

Fette

Wasserlösliche Stoffe, wie z. B. Eiweiße oder Kohlenhydrate, werden über die Dünndarmwand von den Blutkapillaren aufgenommen. Fette dagegen, die nicht-wasserlöslich sind, werden von den Lymphkapillaren aufgenommen. Bei einer hohen Fettaufnahme wird die Lymphe dickflüssig, fließt langsamer und der Lymphabfluss wird gebremst. Mit einem Lymphödem sollte jedoch alles vermieden werden, was den bereits gestörten Lymphabfluss zusätzlich beeinträchtigt (L&G 3/2016). Eine fettarme bzw. fettbewusste Ernährung wirkt sich also günstig auf das Lymphödem aus.

Anne Fleck, eine der drei Ernährungs-Docs aus dem NDR-Fernsehen, hat auf ihrer eigenen Website eine Lebensmittelliste mit gesunden Fetten u. a. zum Download bereitgestellt. Hier der Link. Ich warte nur darauf, dass sich auch mal ein Mensch mit Lymphödem von den Docs beraten lässt. Würde mich wirklich interessieren, was die Ernährungs-Docs uns empfehlen würden.

Eiweiße

In der L&G 3/2016 wird ausführlich erklärt, warum es wichtig ist, die Proteine in Blut und Gewebe im Gleichgewicht zu halten.  Um einer weiteren Ödembildung vorzubeugen, wird eine eiweißhaltige Kost empfohlen. Der Bedarf kann mit tierischem Eiweiß  (Fisch, Geflügel, mageres Fleisch, Milchprodukte, Eier) und pflanzlichem Eiweiß (z. B. Nusskerne, Hülsenfrüchte) gedeckt werden.

Kohlenhydrate

Bei einem Lymphödem sollten wenige Kohlenhydrate aufgenommen werden. Die bekanntesten „bösen“ Kohlenhydratquellen sind wohl Süßigkeiten, gezuckerte Getränke und Weißmehlprodukte. Die hier vorkommenden Kohlenhydrate sind kurzkettig und werden auch als „Dickmacher“ bezeichnet, denn sie sättigen nicht so gut und nicht so lang wie die langkettigen Kohlenhydrate. Letztere werden vom Körper langsamer umgewandelt und sind beispielsweise in Vollkornbrot, -nudeln oder Naturreis zu finden.

Salz

Das im Kochsalz enthaltene Natrium bindet Wasser im Körper. Wer also zu viel Salz aufnimmt, speichert die Körperflüssigkeit und verstärkt damit das Ödem. Lebensmittel mit einem geringen Natriumgehalt sind Gemüse, Obst, Nüsse (unverarbeitet) und allgemein unverarbeitete Lebensmittel. Lebensmittel mit hohem Natriumgehalt sind dagegen allgemein verarbeitete Lebensmittel wie z. B. Brot, Käse, Wurst, Chips, Tiefkühlpizza. 

Lebensmittel mit geringer Energiedichte

Lebensmittel mit geringer Energiedichte haben häufig einen hohen Wasser- und Ballaststoffgehalt. Zu ihnen zählen Obst, Gemüse, Salat, Kartoffeln, mageres Fleisch, fettarme Milch und Milchprodukte wie Joghurt, Quark, Buttermilch oder Frischkäse. 

Lebensmittel mit hoher Energiedichte sind meist stark verarbeitet, enthalten wenig Wasser und Ballaststoffe und viel Fett und Zucker, z. B. Kartoffelchips, Gebäck, Süßwaren, frittierte Lebensmittel und Wurst. Diese Nahrungsmittel sollten wir also möglichst reduzieren. Zuckerhaltige Getränke haben zwar einen hohen Wassergehalt, liefern aber trotzdem nur leere Kalorien und sollten weggelassen werden.

Fazit

Ich habe verstanden, dass es nicht die lymphgerechte Diät gibt, sondern eher allgemeingültige Empfehlungen für eine gesunde Ernährung. Wir dürfen auch weiterhin mit Appetit und abwechslungsreich essen, und zwar kohlenhydrat- und salzarm, fettbewusst, ballaststoff- und eiweißreich. Alles, was von der Lymphe & Gesundheit für das Lymphödem empfohlen wird, wirkt sich gleichzeitig positiv auf das Herz-Kreislauf-System und das Körpergewicht aus.

Und nicht vergessen: Seid gut zu euch selbst und verzeiht euch kleine Sünden! Ein bisschen Spaß muss auch mal sein! (Mein Spaß heißt übrigens Aperol Spritz, obwohl ich weiß, dass ich danach einige Tage brauche, um mein Bein wieder „in Form“ zu kriegen.)

Eigene Erfahrungen

Also ich habe in den letzten Jahren wirklich schon einiges ausprobiert. Neben dem Lymphödem habe ich seit der Bestrahlung immer wieder auch starke Bauchbeschwerden und bin auf der Suche nach der für mich passenden Ernährung. Ich habe drei Jahre vegan gelebt, habe FODMAP ausprobiert (kurz: schnell vergärende Kohlenhydrate reduziert) und esse seit etwa einem Monat kohlenhydratarm und fettbewusst. Am besten fühle ich mich eindeutig mit der Low-Carb-Variante, also bei meiner aktuellen Ernährung. Meinem Bauch geht es so gut wie schon lange nicht mehr. Ich habe auch das Gefühl, dass mein Bein nach der Lymphdrainage länger „schlank“ und das Gewebe weich bleibt. Zum Thema Schmerzen kann ich nichts sagen, da mein Lymphödem zum Glück schmerzfrei ist.

Jetzt mache ich erst mal damit weiter. Ich muss wissen, ob die positiven Effekte auch auf Dauer tragen.


Da ich keine Ärztin, Ernährungsberaterin oder sonstiges Kompetentes bin, ersetzen meine Ausführungen natürlich keine spezifische Ernährungsberatung. Wer einen individuellen Ernährungsplan erstellen und bei der Ernährungsumstellung beraten werden möchte, kann sich bei einer Ernährungsberatung Unterstützung holen.  

Ich möchte weiterhin darauf hinweisen, dass ich kein Geld für die Nennung von Produkt- und Firmennamen erhalte. Ich bin von keinem Hersteller gekauft und berichte unabhängig.